Sie haben um 7 Uhr ordentlich gestreut. Um 10 Uhr ruft die Nachbarin: „Bei Ihnen ist es spiegelglatt!“ Sie gehen raus – und von Ihrem Granulat ist nichts mehr zu sehen. Was ist passiert?
Wie wirken abstumpfende Streumittel? Sie tauen kein Eis auf. Sie legen sich als raue Schicht auf die Oberfläche und erhöhen so die Reibung zwischen Schuh und Boden. Fällt neuer Schnee oder gefriert Regen darüber, ist diese Schicht zugedeckt – und die Wirkung ist weg. Deshalb müssen Sie nachstreuen, sobald neue Glätte entsteht.

Wie wirken abstumpfende Streumittel genau?
Stellen Sie sich Sandpapier vor. Es ist rau. Ihre Hand gleitet nicht darüber. Genau diesen Effekt erzeugen Splitt, Sand und Granulat auf Eis und festgetretenem Schnee. Die Körner bilden kleine Widerstände. Die Schuhsohle findet Halt.
Wichtig: Die Körner verändern das Eis nicht. Es bleibt Eis. Sie liegen nur obendrauf oder drücken sich leicht hinein. Das ist der große Unterschied zu Salz. Salz senkt den Gefrierpunkt und taut das Eis. Abstumpfende Mittel machen es nur griffig. Mehr dazu im Lexikon unter Abstumpfende Streumittel.
| Mittel | Wirkprinzip | In Essen auf Gehwegen |
|---|---|---|
| Splitt, Sand, Granulat | abstumpfend: erhöht die Reibung | vorgeschrieben |
| Salz und andere Taumittel | auftauend: senkt den Gefrierpunkt | grundsätzlich verboten |
Die Essener Satzung schreibt in § 4 Abs. 1 vor, Gehwege mit abstumpfenden Mitteln zu bestreuen. Genannt werden Sand, Asche und Granulat. Den Wortlaut finden Sie in der Straßenreinigungs- und Winterdienstsatzung der Stadt Essen.
Der Vorteil: sofort griffig, keine Umweltschäden
Abstumpfende Mittel wirken sofort nach dem Streuen. Sie müssen nicht warten, bis etwas taut. Sie schaden Bäumen und Böden nicht wie Salz. Sie greifen Beton und Stein nicht chemisch an. Und Splitt lässt sich nach dem Winter zusammenkehren und wiederverwenden. Das empfiehlt auch das Umweltbundesamt.
Einen Nachteil haben sie trotzdem: Nach dem Tauwetter müssen sie wieder weg. Das übernimmt auf Wunsch das Pluspaket mit Frühjahrsreinigung. Außerdem kann Splitt Feinstaub verursachen und für Radfahrer selbst zur Rutschgefahr werden. Welches Mittel zu welchem Belag passt, zeigt der Ratgeber Streugut auf Naturstein, Pflaster und Treppen.
Wirkung, die morgens um 7 Uhr schon da ist
Der Winterdienst räumt zuerst und streut danach abstumpfend. Bei neuer Glätte wird nachgestreut – ohne Aufpreis.
Lieber persönlich? +49 201 45 875 433
Wann abstumpfende Streumittel versagen
Abstumpfende Mittel sind gut. Aber sie haben klare Grenzen. Wer die kennt, vermeidet die typischen Fehler:
- Neuschnee deckt sie zu. Schon wenige Zentimeter reichen. Man läuft dann auf Schnee, nicht auf Streugut.
- Eisregen friert darüber. Unterkühlter Regen bildet eine neue Eisschicht über den Körnern. Das ist die gefährlichste Lage.
- Tauwasser spült sie weg. Taut es tagsüber und friert nachts wieder, liegen die Körner oft im Rinnstein statt auf dem Weg.
- Zu wenig Streugut. Einzelne Körner auf großer Fläche bringen kaum Halt.
- Streuen auf Schnee. Wer nicht vorher räumt, verteilt die Körner in lockeren Schnee. Sie sinken ein und wirken kaum.
Besonders tückisch ist Eisregen. Laut Deutschem Wetterdienst zählt Glatteis zu den gefährlichsten Glättearten und ist nur sehr kurzfristig vorhersagbar. Wie Sie sich darauf vorbereiten, lesen Sie im Ratgeber Eisregen angekündigt.
Achtung: Einmal streuen reicht nicht. Die Essener Satzung verlangt, Glätte jeweils unverzüglich nach ihrem Entstehen zu beseitigen. Entsteht neue Glätte, müssen Sie erneut streuen – auch wenn Sie morgens schon gestreut haben.

Die richtige Reihenfolge: räumen, dann streuen
Die Entsorgungsbetriebe Essen empfehlen ausdrücklich: erst räumen, dann streuen. Das hat einen einfachen Grund. Streugut wirkt nur auf fester Oberfläche. Auf lockerem Schnee versinkt es.
- Schnee auf voller Breite räumen – in Essen die vorhandene Gehwegbreite, höchstens 1,20 Meter.
- Festgetretene Reste mit dem Stoßeisen lösen, soweit möglich.
- Abstumpfendes Mittel gleichmäßig und dünn streuen.
- Treppen, Gefälle und Eingänge besonders sorgfältig behandeln.
- Bei neuem Schnee oder Eisregen: wieder räumen und nachstreuen.
Mehr zum Nachstreuen erklärt das Lexikon unter Nachstreuen. Was Sie für Material einplanen müssen, lesen Sie unter Was kostet Streugut pro Saison? Und warum Salz keine Abkürzung ist, zeigt der Beitrag Streusalz und Umwelt. Alle weiteren Anleitungen finden Sie in der Ratgeber-Übersicht zum Winterdienst.
Splitt, Sand oder Granulat: Wo liegen die Unterschiede?
Alle drei wirken nach demselben Prinzip. Im Alltag gibt es aber Unterschiede. Splitt hat scharfe Kanten und greift gut. Er kann aber Oberflächen verkratzen und wird ins Haus getragen. Streusand ist fein und günstig. Ein Fachartikel bescheinigt Sand allerdings nur eine geringe nachweisbare Sicherheitswirkung. In Essen ist Sand trotzdem ausdrücklich erlaubt.
Granulat gibt es in vielen Sorten. Manche bestehen aus Lava, andere aus Glas oder Ton. Das Umweltbundesamt rät, energieaufwendig hergestellte Produkte wie Blähton zu meiden und auf den Blauen Engel zu achten. Welches Granulat für Ihren Weg passt, hängt vom Belag und von der Fläche ab.
Eins haben alle gemeinsam: Sie bleiben nicht liegen. Die Essener Satzung schreibt vor, abstumpfendes Streugut nach dem Ende der Glätte zu beseitigen.
Wie oft muss nachgestreut werden?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Die Satzung sagt „jeweils unverzüglich“. Das heißt: jedes Mal, wenn neue Glätte entsteht. An einem ruhigen Frostmorgen reicht ein Streugang. Bei Eisregen können es mehrere am Tag sein.
Genau hier liegt das Problem für viele Eigentümer. Wer berufstätig ist, kann nicht um 11 Uhr nachstreuen. Wer im Urlaub ist, gar nicht. Und wer älter ist, will bei Eisregen nicht dreimal auf die glatte Treppe. Ein Profi-Dienst beobachtet das Wetter und kommt wieder, wenn es nötig ist.
Übrigens: Die Rechtsprechung verlangt nicht, dass niemand mehr ausrutschen kann. Das OLG Hamm hat klargestellt, dass die Streupflicht kein völliges Ausgleiten verhindern muss (Urteil vom 21.12.2012, I-9 U 38/12). Aber der Weg muss so sicher sein, wie es mit zumutbarem Aufwand möglich ist.

Nachstreuen ohne Aufpreis
39 € netto je laufendem Meter für die ganze Saison – egal ob einmal oder fünfmal am Tag gestreut werden muss.
Lieber sprechen? +49 201 45 875 433
Häufige Fragen zu abstumpfenden Streumitteln
Wie wirken abstumpfende Streumittel?
Sie tauen nicht, sondern erhöhen die Reibung. Die Körner legen sich auf Eis oder festen Schnee und geben der Schuhsohle Halt. Die Wirkung setzt sofort ein.
Wann wirkt Streugut nicht mehr?
Wenn Neuschnee es zudeckt, Eisregen darüber friert oder Tauwasser es wegspült. Dann müssen Sie erneut räumen und nachstreuen.
Soll ich vor oder nach dem Räumen streuen?
Nach dem Räumen. Die Entsorgungsbetriebe Essen empfehlen: erst räumen, dann streuen. Auf lockerem Schnee sinkt das Streugut ein und wirkt kaum.
Sind Hobelspäne ein gutes Streumittel?
Nein. Das OLG Hamm hat entschieden, dass Hobelspäne keine nennenswerte abstumpfende Wirkung haben (24.11.2014, 6 U 92/12). Nutzen Sie Splitt, Sand oder Granulat.
Welches abstumpfende Mittel ist am umweltfreundlichsten?
Das Umweltbundesamt empfiehlt salzfreie, abstumpfende Mittel mit dem Blauen Engel. Splitt kann zudem aufgekehrt und wiederverwendet werden.
Fazit
Wie wirken abstumpfende Streumittel? Sie machen Eis griffig, tauen es aber nicht. Deshalb versagen sie, sobald Neuschnee, Eisregen oder Tauwasser sie zudecken oder wegspülen. Die Regel lautet: erst räumen, dann streuen, bei neuer Glätte nachstreuen. Wenn Sie das nicht selbst im Blick behalten können, übernimmt es ein Winterdienst zum Festpreis. Jetzt Preis für Ihren Gehweg berechnen.